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Interview mit Christian Rach über seine Restaurantschule

Rach und sein Team - Foto RTL

Montag, 06.09.2010

Christian Rach, Hamburger Koch mit Michelin-Stern, hat ein neues TV-Projekt begonnen, das ihn seiner „wahren Berufung“ als sozial engagierter Meisterkoch vielleicht noch näher bringt. "Rachs Restaurantschule"

„Ich verlange Fleiß, Einsatzbereitschaft, Pünktlichkeit...!“, sagt Christian Rach, Hamburger Koch mit Michelin-Stern. Der ist bei Feinschmeckern seit langem eine feste Größe. Dem ganz großen Publikum bekannt wurde er aber erst mit der TV-Show: "Rach, der Restauranttester".

Nun hat der 53-jährige ehemalige Philosophie-Student ein neues TV-Projekt begonnen, das ihn seiner „wahren Berufung“ als sozial engagierter Meisterkoch vielleicht noch näher bringt. In "Rachs Restaurantschule" gab er zwölf Arbeitssuchenden zwischen 17 und 44 Jahren die Chance, unter seiner Anleitung in einem Hamburger Restaurant ein Praktikum zu absolvieren. (RTL bringt die Sendung in acht Folgen seit dem 30. August 2010 jeweils montags um 21:15 Uhr.)

Der BA-Themendienst fragte Christian Rach:
Christian Rach als wacher Unternehmer, strenger Ausbilder, einfühlsamer Team-Psychologe… ist an Ihnen ein Sozialarbeiter verloren gegangen?
Rach: „Ganz grundsätzlich und an den Anfang: Das Gejammer muss aufhören. Wir alle müssen die Dinge selbst in die Hand nehmen und nicht darauf warten, dass jemand anderes es richtet. Genauer: Wir können nicht darauf warten, dass der Staat, sprich die Bundesagentur für Arbeit alles regelt. Sondern wir Unternehmer müssen das in die Hand nehmen.“

Das tun Sie ja jetzt in „Rachs Restaurantschule“!
Rach: „Ja. Es kann nicht sein, dass jemand über 40 keinen Job mehr bekommt. Auch Menschen, die auf Hartz IV sind oder mal im Knast waren, brauchen eine neue Chance." In wie weit haben Sie und RTL mit den Arbeitsagenturen zusammengearbeitet, um Kandidaten für die Sendung zu finden?

Wie sieht bei der Restaurantschule die soziale Verantwortung aus?
Rach: „Alle bekommen hier eine Ausbildung! Ziel ist es, alle Zwölf durchzubekommen. Ob das funktioniert, muss man sehen. Es ist ein reiner Ausbildungsbetrieb, der aber auf wirtschaftlich eigenen Beinen steht und nicht am Säckel einer staatlichen Institution hängt. Wir haben keine Zuschüsse beantragt. Sondern ich sage, es muss so und so und so funktionieren. Das Restaurant ‚Slowman’ im Hamburger Chilehaus habe ich zusammen mit Geschäftspartnern übernommen. Wir führen den Laden als ganz normales Unternehmen. Das heißt, mit allen Risiken und Gewinnchancen, die ein Restaurant nun mal hat.“

Wie hart sind Sie als Chef?
Rach: „Ich halte nichts von Samthandschuhen in der Ausbildung. Lehrjahre sind keine Herrenjahre, dieser Satz gilt immer noch. Das Erste, was wir schaffen mussten, das war die Pünktlichkeit. Bei vielen lief das nach dem Motto: Komm ich heut nicht, komm ich morgen. Also, wenn ich als Chef sage, um Punkt 8.00 Uhr ist Arbeitsbeginn, dann meine ich auch acht und nicht viertel nach acht.“

Wie war Ihre Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit?Rach: „Super! Funktion, Zentralisierung, alles richtig! Ich verstehe jetzt auch die psychische Belastung der Mitarbeiter dort, die ständig mit sozialen Problemen konfrontiert werden. Und der Druck, Arbeitssuchenden so oft einen negativen Bescheid geben zu müssen, das ist sicher hart.“ Was muss einer mitbringen, um in der Gastronomie zu bestehen?

Rach: „Fleiß, Einsatzbereitschaft, Pünktlichkeit… Ich möchte das aber gar nicht auf diese Branche reduzieren. Das gilt übergreifend für alle Berufssparten. Man braucht einen starken Ausbilder und ein Konzept, das es zulässt, sich zu entwickeln. Bei der Kochschule will ich zeigen, dass es funktioniert.“

Was für einen Rat haben Sie für Jugendliche?
Rach: „Bildung, Bildung, Bildung! Das ist die Grundlage. Darauf basiert dann später die Ausbildung. Und nur wer beides erkannt hat, hat die Chance, im Berufsleben Erfolg zu haben. Dran bleiben, auch wenn es mal weh tut, den inneren Schweinehund überwinden. Diesen Rat gebe ich auch meinen eigenen Kindern!“

Quelle: Bundesagentur für Arbeit