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Ausbildung und Knast – geht das?

(Quelle: Thorben Wengert/pixelio.de)

Montag, 11.10.2010

Du hast Mist gebaut, musst in den Knast und hast Schule oder Ausbildung nicht angeschlossen. Möglicherweise ist genau die Zeit im Gefängnis Deine Chance, Deine Zukunft durch einen Abschluss auf die Reihe zu kriegen.

Stell Dir vor, Du musst in den Knast und hast keinen Schulabschluss oder keine Ausbildung. Wenn Du wieder draußen bist wird Deine Zukunft echt hart sein. Aber: Vielleicht ist die Zeit in der Jugendstrafanstalt auch Deine Chance. Denn einer der Schwerpunkte dort liegt auf dem Thema Ausbildung.

Beispiel Jugendstrafanstalt Berlin. Hauptschulabschluss, Förderklasse, KFZ-Werkstatt, Malerei-, Tischlerei- oder Gärtnerei-Ausbildung (um nur ein paar zu nennen) …  wenn man sich die Angebote der anschaut, sieht man klar: Hier wird in die Zukunft investiert. Was in Deiner Clique draußen vielleicht als uncool gegolten und Dich zum Weichei abgestempelt hätte – nämlich: keine  Scheiß zu machen und zu lernen – dass kannst Du hier tun, ohne zu befürchten, dass Du deswegen angegriffen wirst. Viele Jugendliche, denen die Schule draußen nur auf den Nerv gegangen ist, bietet sich im Knast nämlich die Möglichkeit, doch noch die Kurve zu kriegen. Keine Ablenkung durch die Kumpels und viel Zeit, die es abzusitzen gilt. Also: Warum nutzt Du sie nicht sinnvoll und arbeitest auf Deinen Abschluss hin – ob nun schulischer oder beruflicher Art. Denn wenn Du im Gefängnis z.B. Deinen Ausbildungsabschluss schaffst, dann ist das ein ganz normaler „allgemeingültiger“ Abschluss der IHK oder HWK. Die Prüfungen musst Du machen wie alle anderen Azubis auch.

Auch das „Projekt Chance“ des Christlichen Jugendwerks Deutschlands kann tatsächlich eine echte Chance sein. Das Projekt ist für junge „Mehrfach- und Intensivtäter“ (14 bis 21 Jahre), die zum ersten Mal zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt wurden. Statt im Knast zu sitzen, absolvieren die Jugendlichen ein speziell für sie konzipiertes, zeitlich befristetes Training in einer offenen Einrichtung. Voraussetzung: Du hast kein Kapital- oder Sexualverbrechen begannen und bist nicht drogenabhängig. Du kannst natürlich nicht tun und lassen, was Du willst. Aber Du bist nicht hinter Gittern, hast die Möglichkeit ganz eigene Interessen zu entdecken und kannst Dir klar werden, was Du mit Deiner Zukunft anfangen willst. Im Training lernst Du, dass nur Du selbst für Deine Worte und Taten zuständig bist. Auch Charaktermerkmale wie Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen oder Engagement  werden gefördert- Dabei betreut Dich jederzeit ein Team von Pädagogen. Mittlerweile haben mehr als 60 Jugendliche das Projekt erfolgreich durchlaufen – und mehr als 50 haben während ihrer Zeit im „Projekt Chance“ sogar ihren Hauptschulabschluss machen können.   

Diese Beispiele sind nur wenige von vielen. Die Jugendstrafanstalten in Deutschland gehen in der Regel nämlich alle nach den Mottos „Ausbilden, nicht nur wegsperren“, und „Ausbildung geht vor Arbeit“ vor. Solltest Du also in die Situation kommen, und musst tatsächlich in den Knast: Nutze die Zeit und tu etwas für Deine Zukunft. Statt nur rumzuhängen und Dich allem zu verweigern, kannst Du ja einfach mal probieren, ob es nicht vielleicht sogar Spaß macht, etwas Geregeltes zu machen … anstatt nur abzuhängen. Du wirst sehen, dass Du etwas erreichen kannst, wenn Du Dir Mühe gibst und jemand da ist, der Dich gut anleitet. Und wenn Du wieder frei bist, dann kannst Du direkt durchstarten.

 

 

Foto: Thorben Wengert/pixelio.de